das internet hier im dschungel ist schrott, aber ich bin gut in Pucallpa angekommen. nach super zehn tagen rumreisen mit selbstgebastelten inseln, ulkigen verkleidungen, Condoren, ufo-landebahnen, verrueckten Indern, Peruaner-Hippies, einem dezenten motorradunfall, einem gebratenen meerschweinchen, Lamas, sonne, bergen, meer und vielen netten leuten!
aber von vorne: zu sechst haben wir uns vor fast zwei wochen den naechstbesten bus nach Puno genommen. Puno liegt am Titicacasee und ist angeblich ziemlich haesslich. wir haben davon nicht viel gesehen, sondern sind morgens frueh, nach einer nacht im bus, direkt zum naechsten reisebuero, um uns auf dem hoechsten schiffbaren see der welt rumschiffen zu lassen. es war kalt, aber praktischerweise hatte ich mir fuer Machu Picchu so eine lustige muetze mit schlappohren gekauft, wie sie hier alle tragen. also wars doch warm. wir machten einen abstecher auf die schwimmenden inseln von Uros, die die leute dort selber aus schilf zusammenbasteln. wer mal dahinkommt: rennt! es macht voll spass auf schilf rumzulaufen, alles federt! uebernachtet haben wir bei familien auf einer richtigen insel, Amantani, die Gott im see festgemacht hat. die hat nicht gefedert. dort haben wir touris uns abends mal kurz zum affen gemacht und die klamotten der inselbewohner angezogen. fuer den einzigen jungen in unserer runde hiess das: ein poncho. fuer uns hiess das: mehrere roecke, bluse und irgendein breites band, das einen ganz furchtbar am atmen hindert. hinterher war klar, warum die inselfrauen alle so dick aussehen. leider ist das internet hier so schrottig, dass ich euch kein foto von unseren schicken verkleidungen reinstellen kann. am naechsten tag war es auch kalt, weil es hier immer kalt ist, der wind pfiff, aber die sonne schien und irgendwie war es mittags dann doch warm. und bei so einem sonnenschein auf 3800 metern hoehe, da muss man eben auch mal baden gehen. also hab ich unseren fuehrer gefragt, ob wir nicht mal kurz anhalten koennen und so sind Valerio, Lisa und ich von unserem schiffchen in den Titicacasee gesprungen. das war dann wirklich kalt. und die anderen touris hielten uns fuer verrueckt.
von Puno gings mit dem nachtbus nach Arequipa. ein schickes staedtchen, die spanischen kolonialisten haben ihre spuren in form von kirchen und sonstiger architektur hinterlassen, es gab viel zu essen und zu shoppen. in der naehe von Arequipa liegt der Colca-Cañon. soll ganz toll sein, der groesste cañon der welt, ganz tief und mit regenwald und so. sagt man… wir sind wohl irgendwie nicht weit genug gefahren und haben nur ein stueckchen cañon zu sehen bekommen. dafuer aber ganz viele Condore! das wahrzeichen Perus ist nicht besonders schoen, aber echt riesig. und, es musste eben sein, dort hab ich tatsaechlich doch noch ein meerschweinchen gegessen. und die beinchen waren noch dran. tote meerschweinchen schmecken nach huehnchen und ziehen ganz viele schleimige faeden, wenn man das fleisch von der haut loest. als haustierchen gefallen sie mir besser.
nach Arequipa haben wir uns getrennt, Ruth, Valerio und ich sind weiter nach Camana, weil ich unbedingt noch einen tag ans meer wollte, die anderen vier sind zurueck zum krankenhaus. und da sassen wir dann in Camana am strand. grauer sand, eiskaltes meer, moewen, und warmer sonnenschein. wir haben uns nur kurz ins meer getraut, aber es war ein gemuetlicher tag.
und dann ging’s nach Nazca. oder nach Nasca. da koennen sich die Peruaner nicht so ganz einigen. auch hier wieder mit dem nachtbus hin, auch hier wieder direkt morgens am busbahnhof von einem fremdenfuehrer abgefangen, der uns in ein super hostel brachte und dann direkt zum flughafen. die Nazca-linien muss man irgendwie unbedingt von oben sehen. mit einer kleinen Cessna gings dann ueber die wueste. in Nazca gibt es eigentlich nichts, da regnet es etwa drei stunden im jahr (!), da ist alles sand. meine theorie ist ja, dass die schlauen Peruaner-vorfahren irgendwelche bilder in den sand gemalt haben, damit ihre nachfahren mal irgendwie geld verdienen koennen. denn ausser touris gibts da keine einnahmequelle. vielleicht waren die wuestenbilder aber auch strafarbeiten fuer faule schueler. andere behaupten, es waeren ufolandebahnen. oder der groesste agrarkalender der welt. zumindest ist es wahnsinnig beeindruckend, mitten im nichts bilder im sand zu sehen. und das mit den linien in der landschaft scheint den Peruanern im blut zu liegen. staendig sieht man in Peru auf irgendwelchen huegeln oder einfach nur mitten in der pampa aufm boden riesige buchstaben geschrieben, logos oder der name einer stadt. vielleicht war den Peruaner-vorfahren in ihrer wueste auch einfach nur langweilig. und dann haben sie eben linien gemalt. spaeter waren wir noch kurz auf einem inka-friedhof. mit ganz vielen loechern im boden, aus denen weisse totenkoepfe rausguckten. mumien in allen groessen, mit und ohne haare. und in der wueste hinter den legal-geschaendeten graebern gab es noch ganz viele dellen im boden, unter denen noch mehr graeber lagen, und knochen - menschenknochen - waren im sand verstreut. Ruth fand das alles ganz spannend und aufregend. und ich fands makaber. und die mumien haben gegrinst.
dann sind auch Ruth und Valerio zurueck ins krankenhaus. und ich stand allein mitten in Peru. und weil Pisco auf dem weg nach Lima lag und ich nach Lima musste, um nach Pucallpa zu kommen und weil Pisco vor kurzem durch ein erdbeben zerstoert wurde und eher haesslich ist und Parácas direkt neben Pisco liegt und voll schoen sein soll, bin ich noch schnell nach Parácas gefahren. da gab es robben und pinguine und peruanische hippies, die von ihren geknuepften armbaendern leben. die waren voll lieb und aus geschaeftsbeziehungen wurden nette bekanntschaften. und weils so schoen war und ich schon am ersten abend einen Hippie und Peruaner und Deutschen und Polen nach dem andern getroffen hatte, bin ich noch einen tag laenger geblieben als geplant. am zweiten tag kam dann noch ein Israeli dazu. der hatte irgendwas richtig gemacht: er war 35 und hatte mit seinem bruder in Israel in juengeren jahren mal einige geschaefte aufgemacht, wo sie einer zielgruppe wie mir so nutzlosigkeiten wie ohrringe, muetzen und sonstige accessoires verkauft haben. und nun hat er so viel geld, dass er den rest seines lebens durch die gegend reisen kann. und das tut er mit motorrad. und weil wir uns gut verstanden haben und die wueste hinter Parácas so gross und das meer so blau und ueberhaupt alles so toll war, sind wir auf seinem motorrad durch den sand gefahren, immer am strand lang, die flamingos erschrecken und voegel aufscheuchen (davon gabs dort unglaublich viele). und wie das eben so ist, wenn man mit einem zweiraedrigen gefaehrt durch den sand faehrt und der fahrer dann irgendwann uebermuetig wird, sind wir schliesslich weggerutscht. und es ist immer gut, wenn man auf einem motorrad sitzt und sich gerade hinlegt, abzuspringen, ehe man unter der maschine liegt. so in etwa hab ich das auch gemacht, der sand war weich und mir ist nichts passiert. Zohar gings nicht ganz so super, aber auch er ist ganz geblieben. trotzdem hab ich dann weitere touren mit ihm abgesagt.
und dann ging es nach Lima und weil Lima nicht so besonders schoen ist, wollte ich direkt weiter mit dem bus nach Pucallpa. aber weil die Coca-Bauern irgendwo im dschungel meinten, sie koennten nicht einfach nur in ruhe vor sich hin streiken, sondern muessten bei ihrem streik auch noch die einzige strasse nach Pucallpa blockieren, hing ich doch noch eine nacht in Lima fest. irgendwie ist man, wenn man allein reist, nie allein. hab direkt eine Argentinierin kennengelernt, eine theaterschauspielerin, die ganz langsames vorsichtiges spanisch mit mir gesprochen hat (weil die Argentinier normal ganz unverstaendliches spanisch nuscheln), und wir haben zusammen gekocht und so war der verlorene abend in Lima doch nicht so ganz verloren. am morgen gab die busgesellschaft ihr ok fuer die fahrt nach Pucallpa, ich kaufte mir direkt ein ticket und 23 stunden spaeter, mit 3 stunden verspaetung (weil irgendwo nachts im urwald baeume auf der strasse lagen) kam ich dann an. und bin total begeistert! tropen, palmen, hitze, und ich wohne wieder in einer 3er-frauen-wg auf dem bibelschulgelaende der schweitzer mission. am montag schau ich mal in die krankenstation, ob ich dort was helfen kann. mal sehen. hier ist es total schoen und so dauert der sommer fuer mich noch ein bisschen laenger als geplant. ich hoffe, ihr habt einen schoenen herbst und werdet nicht zu nass dabei! gruesse in die heimat!